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Fakten zum Wasserhaushalt des Großen Seddiner Sees

Welchen Einfluss hat die Wasserentnahme des Golfclubs auf den Pegelstand des Großen Seddiner Sees?

  1. Wasserbilanz des Großen Seddiner Sees: „Die jährlich durchschnittlich fehlende Bilanzsumme beziffert Prof. Kaden mit ca. 300.000m³.“ Und: „…dass das Wasserbilanzdefizit im See zu 70% den klimatischen Rahmenbedingungen geschuldet ist. Die verbleibenden 30% werden durch die direkten Nutzungen hervorgerufen“ (1).
  2. Entnahmemenge Golfanlage: Im Zeitraum 2008 – 2017 entnahm der G&CC Seddiner See durchschnittlich 97.000 m³ Seewasser pro Jahr für Bewässerungszwecke. In 2017 waren es 82.000m³. Diese Jahresmenge entspricht einer Wasserlamelle von 3,7cm. Maximal dürfen 165.000m³ im Jahr entnommen werden. Welche Wassermengen für die vorherige landwirtschaftliche Nutzung durch die LPG aus dem Grundwasser entnommen wurden, ist nicht bekannt.
  3. Der durchschnittliche Bedarf der Golfanlage an Beregnungswasser beträgt 560m³/ha. Der Wasserbedarf für die Beregnung von landwirtschaftlich genutzten Flächen ist im Landkreis Potsdam-Mittelmark lt. dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mit 1.126m³/ha doppelt so hoch.
  4. Der Große Seddiner See hat in 2018 mehr als 1.730.000m³ Wasser verloren. Die Golfanlage hat 164.000m³ entnommen.
  5. Eine Analyse der Pegelentwicklung anhand gemessener Niederschlags- und Pegeldaten in den Jahren 2018 und 2019 beweist eindeutig, dass die Wasserverluste des Seddiner Sees nachweislich zu mehr als 90% NICHT durch die Golfanlage, sondern durch andere Faktoren verursacht wurden.
  6. Wasser-Rückführung: Ein Teil der auf der Golfanlage verregneten Wassermenge versickert und wird dem Grundwasser wieder zugeführt. Wie hoch dieser Anteil ist, ist nicht bekannt. -2-
  7. Andere Seen – gleiches Problem: Das Problem sinkender Seepegel betrifft viele grundwassergespeiste Seen in Brandenburg – nicht nur den Großen Seddiner See (z.B. auch den Weißensee in Berlin, Strausssee bei Strausberg, Kronensee bei Templin und viele andere mehr).


Ursachen für sinkende / schwankende Pegelstände

  1. Klimatisch bedingte erhöhte Verdunstung: An heißen Sommertagen sinkt der Pegel eines Teiches oder Sees aufgrund der Verdunstung von der freien Wasseroberfläche um bis zu 1cm. Der Große Seddiner See hat eine Oberfläche von rund 220ha, d.h. an einem Sommertag verdunsten bis zu 22.000m³ Wasser aus dem Großen Seddiner See. Die durchschnittliche Jahresentnahmemenge der Golfanlage entspricht also der Menge, die an 4-5 heißen Sommertagen verdunstet!
  2. Wasser-Export: im Einzugsgebiet des Seddiner Sees gefördertes Trinkwasser (142.000m³ im Jahr 2007) wird nach Verwendung durch die Privathaushalte als Schmutzwasser in ein Klärwerk (Stahnsdorf) außerhalb des Einzugsgebietes „exportiert“ und geht damit dem Grundwasserhaushalt des Seddiner Sees verloren.
  3. Vegetation: Der breite Schilfgürtel sowie der ausgeprägte Erlenbruchwald (der früher nicht vorhanden war) führen zu einer deutlich erhöhten Verdunstungsrate im Vergleich zu einer freien Wasseroberfläche.
  4. Private Nutzer: durch die zunehmende Besiedelung in den Gemeinden Michendorf und Seddiner See werden immer mehr Privatbrunnen zur Beregnung der Gärten gebohrt. Diese müssen nicht genehmigt, sondern nur angezeigt werden. Eine Mengenerfassung des geförderten Grundwassers erfolgt nicht.
  5. Bevölkerungszuwachs: Die Gemeinden Michendorf und Seddiner See sind von 2003 bis 2017 um 2.185 Einwohner gewachsen. Dies entspricht einem zusätzlichen Wasserbedarf von rund 95.000m³ pro Jahr.
  6. Gewerbliche Nutzer: offizielle Zahlen zu den genehmigten Grundwasserentnahmemengen sowie den tatsächlich entnommenen Mengen für landwirtschaftliche Nutzungen liegen leider nicht vor. Warum eigentlich nicht???

Maßnahmen der G&CC Seddiner See AG zur effizienten Wassernutzung

  1. Von der Gesamtfläche der Golfanlage (= 178,1 ha; ohne Betriebshof, Clubhaus und Außenflächen) werden lediglich 30,0 ha (= 16,8%) mit unterschiedlicher Intensität und in Abhängigkeit vom Wetter beregnet.
  2. Speicherung von Winterniederschlägen: jährlich werden im Durchschnitt rund 20.00m³ Winterniederschläge bzw. Niederschläge bei Starkregen-Ereignissen in den Golfplatzteichen gespeichert.
  3. Grundwasser-Neubildung auf der Golfanlage: Die für die Grundwasserneubildung relevante Fläche auf der Golfanlage beträgt 178ha. Ausgehend von einer durchschnittlichen Grundwasserneubildungsrate von 150l/m² pro Jahr (1) ist dies pro Jahr eine Grundwassermenge von mehr als 250.000m³. Das bedeutet: auf dem Golfplatzgelände - im unmittelbaren Grundwassereinzugsgebiet des Großen Seddiner See – wird zwei bis drei Mal so viel Grundwasser pro Jahr gebildet wie von der Golfanlage dem See für Beregnungszwecke entnommen wird.(1) diverse Quellen, u.a. FUGRO-Gutachten 2013.
  4. Optimierung der Regner-Einstellungen / Austausch von Regnern
  5. Projekt ZIM Plant Technology 2012 – 2014
  6. Installation einer modernen leistungsfähigen Steuerung der Beregnungsanlage zur effizienteren Wasserverwendung im Winter 2018 / 2019. Investitionskosten: rund 115.000,00 Euro (netto).
  7. Das Wasser zur Beregnung der Golfanlage kostet die G&CC Seddiner See AG ca. € 0,80/m³. Allein aus wirtschaftlichen Gründen ist die Golfanlage daran interessiert, so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen.


 Maßnahmen der G&CC Seddiner See AG zur Wasserreinigung des Sees

  1. Seit April 2004 betreibt die G&CC Seddiner See AG eine Wasserreinigungsanlage zur Verbesserung der Wasserqualität des Seddiner Sees durch Reduzierung der Phosphat-Verbindungen im Wasser. Die Installation dieses Wassermanagement-Systems hat rund 1,0 Mio. Euro gekostet.
  2. Bis heute wurden rund 5,5 Mio. m³ Seewasser, d.h. fast 80% des gesamten Seewassers, gereinigt. Betriebskosten der G&CC Seddiner See AG hierfür: ebenfalls rund 1,0 Mio. Euro. Diese See-Reinigungskosten trägt die Golfanlage komplett selbst. Ohne diese seit 15 Jahren laufende Reinigungsleistung wäre heute ein gesundheitlich unbedenklicher Badebetrieb im Großen Seddiner See nicht möglich.


 (1) Vorstudie zur Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie. Projekt: Stabilisierung der hydrologischen Situation im Gr. Seddiner See durch Überleitung von gereinigtem Nieplitzwasser; Prof. Mietz / Prof. Kaden Juni 2008

Der Große Seddiner See 2018: wer ist schuld am Wasserverlust des Sees?

Der Große Seddiner See, aus dem die Golfanlage das notwendige Beregnungswasser für die Golfanlage entnimmt, hat im Dürre-Jahr 2018 eine erhebliche Wassermenge verloren. Der See hat keinen oberirdischen Zufluss, sondern wird nur durch den Zustrom von Grundwasser sowie die Niederschläge auf der Seeoberfläche gespeist. Die Oberfläche des Seddiner Sees beträgt 217 Hektar, entsprechend 2.170.000 Quadratmeter.Pegelaufzeichnungen seit mehr als 40 Jahren dokumentieren erhebliche Schwankungen des Seepegels, auch in der Zeit lange vor der Inbetriebnahme der Golfanlage. Ungeachtet dieser Tatsachen wird immer mal wieder der Golfclub genannt, wenn es darum geht, die Ursachen für das Absinken des Pegelstandes zu benennen. Angesichts der dramatischen Trockenheit in 2018 ist es also wenig überraschend, dass diese Behauptung nun auch wieder kursierte. Behauptungen und Gerüchte sind das eine – Fakten das andere. Im Folgenden wird anhand von Messdaten aus dem Jahr 2018 dargestellt, welchen Einfluss die Wasserentnahme der Golfanlage aus dem Großen Seddiner See auf das Absinken des Seepegels im vergangenen Jahr hatte. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung vor 125 Jahren in Potsdam hat es solch eine extreme Trockenperiode in dieser Region nicht gegeben. Die clubeigene Wettermessstation auf dem Golfplatz hat für das Gesamtjahr 2018 gerade einmal 285 mm Niederschlag gemessen. Die Golfanlage am Seddiner See war in 2018 damit vermutlich die niederschlagärmste Golfanlage in ganz Deutschland. Eine Grafik, in der die kumulierten Monats-Niederschlagswerte der Jahre 2017 und 2018 sowie die 10-Jahres-Mittelwerte (2008-2017) dargestellt sind, zeigt sehr deutlich, wie ab Mai „die Schere auseinandergeht“ bei den Niederschlagswerten für 2017 und 2018. Aufgrund der Niederschlagsarmut in 2018 hat die Golfanlage im vergangenen Jahr im Zeitraum vom 14. April bis zum 15. Oktober insgesamt 164.725 Kubikmeter Wasser aus dem See in die Golfanlage gepumpt. Diese Entnahmemenge liegt weit über dem 10-Jahres-Mittelwert für den Zeitraum 2008 – 2017 mit 97.200 m³. Die extreme Trockenheit in 2018 hatte zwangsläufig gravierende Auswirkungen auf den Pegelstand des Großen Seddiner Sees: von Anfang Januar 2018 bis Ende Dezember 2018 sank dieser um 53 Zentimeter. Die größte Schwankung in 2018 betrug sogar 69 Zentimeter. Diese Pegelmessdaten wurden vom Institut für angewandte Gewässerökologie ermittelt, das rund fünfzig Mal pro Jahr den Pegelstand dokumentiert.Der Pegel-Mittelwert für den Monat April lag in 2018 bei 38, 81 m, der Mittelwert für Oktober bei 38,14 m. Das bedeutet, dass in dem Zeitraum, in dem die Golfanlage Wasser entnommen hat, der Pegel um 67 Zentimeter absank. Das wiederum bedeutet – bei einer Oberfläche von 217 Hektar - einen Wasserverlust von 1.453.900 m³, also rund 1,45 Mio. m³. Tatsächlich hat aber der Seddiner See in diesem Zeitraum noch mehr Wasser verloren, denn es hat zwar wenig geregnet, aber etwas Niederschlag gab es schon. Und dieser auf der Seeoberfläche niedergegangene Niederschlag ist ja ebenfalls verschwunden. Für den Zeitraum der Wasserentnahme durch die Golfanlage (14. April bis 15. Oktober) wurde von der Wettermessstation auf dem Nordplatz insgesamt eine Niederschlagsmenge von 126 mm gemessen. Bezogen auf die Seeoberfläche von 217 Hektar bedeutet das immerhin eine Niederschlagsmenge von 273.420 m³. Der Gesamtwasserverlust im Zeitraum Mitte April bis Mitte Oktober betrug in 2018 also mindestens rund 1.730.000 m³ - möglicherweise sogar noch mehr, nämlich dann, wenn es in diesem Zeitraum zusätzlich noch unterirdischen Grundwasserzufluss zum Seddiner See gegeben hat. Ob dem so war, wissen wir nicht. Wir wissen aber aufgrund der gemessenen Pegel- und Wetterstationsdaten und der daraus abgeleiteten Berechnung, dass der Große Seddiner See von Mitte April bis Mitte Oktober 2018 mindestens 1,73 Mio. Kubikmeter Wasser verloren hat. Von dieser Gesamtmenge sind ist ein Volumen von 164.725 m³ Wasser durch die Golfanlage entnommen worden. Das entspricht einem Anteil von 9,5%. Das Fazit lautet also:

  1. Mehr als 90% des Wasserverlustes des Großen Seddiner Sees in diesem Zeitraum ist nachweislich nicht durch die Wasserentnahme der Golfanlage verursacht worden.
  2. Dieser 9,5%-Anteil am Wasserverlust des Sees betrifft lediglich ein halbes Jahr, nämlich den Zeitraum der Wasserentnahme von Mitte April bis Mitte Oktober. In dem anderen halben Jahr war der Anteil der Golfanlage am Wasserverlust Null, da kein Wasser entnommen wurde.

Die Berechnung für das Jahr 2019 kommt übrigens zu dem gleichen Ergebnis.

Bei der Ursachenforschung stößt man auf eine Vielzahl von Faktoren, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Der bedeutendste Faktor ist zweifellos die Veränderung des Klimas mit steigenden Verdunstungsraten und gleichzeitig rückläufigen Niederschlagsmengen. Der renommierte Wasserwirtschaftler Prof. Dr. Stefan Kaden hat diesen Faktor auf Basis seiner wissenschaftlichen Studien am Großen Seddiner See mit 70 Prozent quantifiziert. Die restlichen 30 Prozent sind auf verschiedene Faktoren der menschlichen Nutzung zurückzuführen: steigende Trinkwasser-Gewinnung durch insgesamt fünf Wasserwerke im Grundwassereinzugsgebiet des Seddiner Sees, landwirtschaftliche Nutzung mit hohem Wasserbedarf (u.a. Spargel und Blaubeeren), Export von Brauchwasser aus dem Grundwassereinzugsgebiet hinaus, Zunahme der privaten Brunnen für die Gartenbewässerung, Zunahme der Verdunstungsrate durch einen expandierenden Schilfgürtel und Erlenbruchwald im Uferbereich des Sees. Auch der der Einwohnerzuwachs in der Region spielt eine Rolle. Die Gemeinden Michendorf und Seddiner See sind in den Jahren 2003 – 2017 um insgesamt 2.185 Einwohner gewachsen. Bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Wasserverbrauch von 121 Liter pro Tag bedeutet allein dies einen jährlichen Mehrbedarf von fast 98.000 Kubikmeter Wasser. Die Erkenntnis, dass Brandenburg einerseits zwar gewässerreich ist (es gibt in Brandenburg mehr als 5.000 Seen > 1 Hektar), andererseits aber auch wasserarm, ist nicht neu. Insbesondere die Region südlich und westlich von Berlin gehört zu den niederschlagärmsten Gebieten Deutschlands. Bereits 2009 wurde das umfangreiche Forschungsprojekt INKA-BB (Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Brandenburg Berlin) gestartet, das in 2014 mit der Vorlage des Abschlussberichtes beendet wurde. Dieses vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsprojekt umfasst insgesamt 24 Teilprojekte. Am Teilprojekt 22 „Nachhaltige Managementstrategien für Glaziale Seen Brandenburgs im Klimawandel“ war die G&CC Seddiner See AG als Projektpartner beteiligt. Es mag nicht sonderlich tröstlich sein, aber mit dem Problem sinkender Seepegel haben auch andere grundwassergespeiste Seen in Berlin und Brandenburg zu kämpfen. Dieses Problem beschäftigt in Berlin und Brandenburg also nicht nur die Menschen am Großen Seddiner See. Allein in den Jahren 2017 und 2018 gab es eine Vielzahl von Zeitungsberichten zu sinkenden Seepegeln:

  • „Düstere Teiche ausgetrocknet“ (Potsdamer Neueste Nachrichten 20.10.2018) 
  • Röthepfuhl braucht dringend Wasser“ (Märkische Allgemeine Zeitung 25.11.2018)
  • „Die Schlösserparks vertrocknen“ (Tagesspiegel“ 01.12.2018)
  • Sinkende Pegel: Berliner Seen geht das Wasser aus“ (Tag24 22.06.2017)
  • „Trockenheit: Wasser in Region um Neuruppin wird knapp“ (Märkische Allgemeine Zeitung 14.06.2018)
  • „Unerklärlicher Wasserverlust im Strausssee. Der Strausssee ist nicht ganz dicht“ (Märkische Allgemeine Zeitung 29.03.2017)

Unabhängig von dem Dürrejahr 2018 und den daraus resultierenden Auswirkungen für die Golfanlage ist es seit je her Zielsetzung für den G&CC Seddiner See gewesen, für die Beregnung der Teilflächen der Golfanlage so wenig Wasser wie möglich aus dem Seddiner See zu entnehmen, getreu dem Motto „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“. Dieser Grundsatz wurde bereits bei der Konzeption des Wassermanagement-Systems, das 2004 in Betrieb ging, berücksichtigt. Bei den drei großen Speicherteichen auf dem Südplatz wird deshalb der Pegel im Spätsommer deutlich abgesenkt. Dadurch wird die Möglichkeit zu Speicherung von Winterniederschlägen geschaffen. In den vergangenen Jahren konnten meistens rund 20.000 m³ Winterniederschläge gespeichert werden. Bei Betriebskosten von rund 0,80 Euro für einen Kubikmeter Beregnungswasser erkennt man unschwer die betriebswirtschaftliche Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme.